Mittwoch, 17. Mai 2017

"Ich hasse, was du sagst, aber ich würde mein Leben dafür geben, dass du es sagen darfst." Voltaire (angeblich)

Pseudo-Voltaire quote.
Voltaire lebte gerne und war klug genug, nicht einmal für seine eigenen Ideen sein Leben zu riskieren. Er war zweimal in der Bastille und benützte für seine Polemiken gegen die katholische Kirche und andere Mächte alles in allem 130 Pseudonyme, damit er nicht noch einmal ins Gefängnis musste. Er war ein "Freund der Wahrheit, aber überhaupt kein Freund des Märtyrertums" (Link).

Er wäre auch nicht für den Unsinn eines Anderen in den Tod gegangen. Trotzdem ist dieser Spruch seit Jahrzehnten eines der populärsten Zitate Voltaires, obwohl schon 1989 nachgewiesen wurde, dass das Zitat von seiner Biografin Evelyn Beatrice Hall aus dem Jahr 1906 stammt, und erst später irrtümlich Voltaire selbst zugeschrieben wurde.

Evelyn Beatrice Hall hat sich - wie Garson O'Toole herausfand - 1945 entschuldigt, dass sie den Satz, "I disapprove of what you say, but I will defend to the death your right to say it", in Anführungszeichen setzte, so dass das Missverständnis aufkam, das sei ein Voltaire-Zitat (Link).  

Einige Varianten des Pseudo-Voltaire-Zitats:

  • "I disapprove of what you say, but I will defend to the death your right to say it."
  • "I do not agree with what you have to say, but I'll defend to the death your right to say it."
  • "Ich missbillige, was Sie sagen, aber ich werde bis zum Tod Ihr Recht verteidigen, es zu sagen." 
  • "Ich hasse, was du sagst, aber ich würde mein Leben dafür geben, dass du es sagen darfst."
  • "Du bist anderer Meinung als ich und ich werde dein Recht dazu bis in den Tod verteidigen." 

Voltaire

Der Philosoph, Historiker und Dramatiker Voltaire war in der Tat eine der lautesten Stimmen im 18. Jahrhundert für Toleranz und gegen Zensur. 

Zwei Sätze, die er wirklich zu Toleranz und Zensur gesagt hat:

1764, Für Toleranz
  • "Es ist klar, dass ein Individum, das ein anderes, seinen Bruder, verfolgt, weil es nicht seine Meinung teilt, ein Monster (un monstre) ist."

    "Il est clair que tout particulier qui persécute un homme, son frère, parce qu'il n'est pas de son opinion, est un monstre."
    Voltaire:
    Dictionnaire philosophique, 1764 "Tolérance"

1765, Gegen Zensur

  • "Das Recht zu sagen und zu drucken, was wir denken, ist das Recht eines jeden freien Menschen, das man nicht leugen kann, ohne die abscheulichste Tyrannei auszuüben. Dieses Vorrecht ist für uns ebenso wichtig wie die Ernennung unserer Verwalter und Politiker, das Eintreiben von Steuern, die Entscheidung über Krieg und Frieden; und es wäre ein Hohn, wenn diejenigen, die die Souveränität haben, ihre Meinung nicht schriftlich äußern könnten. "
    Voltaire: Questions sur les miracles (Link)
  • "Le droit de dire et d'imprimer ce que nous pensons est le droit de tout homme libre, dont on ne saurait le priver sans exercer la tyrannie la plus odieuse. Ce privilège nous est aussi
    essentiel que celui de nommer nos auditeurs et nos syndics, d'imposer des tributs, de décider de la guerre et de la paix; et il serait plaisant que ceux en qui réside la souveraineté ne pussent pas dire leur avis par écrit."
    VOLTAIRE: Questions sur les miracles

  • "The right to say and print what we think is the right of every free man, who cannot be deprived of it without exercising the most odious tyranny."
    VOLTAIRE, Questions sur les miracles

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Quellen:
Voltaire: Dictionnaire philosophique, 1764: "Tolérance"
Voltaire: Philosophical Dictionary, 1764: "Toleration"
Wikiquote: Diskussion Voltaire
Evelyn Beatrice Hall (Pseudonym: S. G. Tallentyre): "The Friends of Voltaire", John Murray, London: 1906, S. 199 (Link)
Voltaire: "Questions sur les miracles", 1765, ŒUVRES COMPLÈTES de Voltaire, 25 Mélanges IV, GARNIER FRÈRES, LIBRAIRES-ÉDITEURS, Paris: 1879, S. 418f. (Link)
Voltaire: "The Sincere Huron." (French Classics Series), Kindle Edition, e-artnow: 2016 (Link)
1989: Paul F. Boller jr., John George: "They Never Said It: A Book of Fake Quotes, Misquotes, and Misleading Attributions", Oxford University Press, Oxford / New York: 1989, S. 124 ff.
2011: anmerkungendonecvenias: "Was hat Voltaire wirklich zur Meinungsfreiheit gesagt?" 
2015: Garson O'Toole (Quote Investigator): "I Disapprove of What You Say, But I Will Defend to the Death Your Right to Say It - Voltaire? François-Marie Arouet? S. G. Tallentyre? Evelyn Beatrice Hall? Ignazio Silone? Douglas Young? Norbert Guterman?", 2015 (Link)

"Was man tief in seinem Herzen besitzt, kann man nicht durch den Tod verlieren." Johann Wolfgang von Goethe (angeblich)


Pseudo-Goethe-Zitat.
Dieser unglaublich weit verbreitete Trauerspruch - auf Traueranzeigen und Parten in der Schweiz, Deutschland und Österreich - wird Johann Wolfgang von Goethe erst im 21. Jahrhundert irrtümlich zugeschrieben.

 Das Zitat stammt so ähnlich aus Ludwig Ganghofers 1899 erschienenem Tiroler Gebirgs-Roman "Das Schweigen im Walde".

Der in seiner Zeit berühmte Heimatdichter nannte im Roman die Sprecherin des Zitats  "Lolo Petri". Sie ist die Tochter des vor Kurzem verstorbenen Münchner Malers "Emmerich Petri", und lebt jetzt abgeschieden in einer Hütte, die ihr Vater oberhalb eines Waldsees selbst erbaut hatte:

  • "Was man tief in seinem Herzen besitzt, was mit uns verbunden ist in jedem Gedanken und Gefühl, das kann man nicht verlieren."
    Ludwig Ganghofer: "Das Schweigen im Walde" (Lolo Petri), 1899 (Link); Projekt Gutenberg  
Ludwig Ganghofer: "Das Schweigen im Walde", ("Sie" ist die Romanfigur Lolo Petri.) (Link)
Das Zitat taucht in den sozialen Medien um das Jahr 2002 ohne Zuschreibung an einen Autor oder an eine Autorin auf und wird im Internet seit 2004 Johann Wolfgang Goethe unterschoben.

Inzwischen wird das falsch zugeschriebene Zitat in vielen Trauerspruchsammlungen von Bestattungsfirmen verbreitet.  

Vielleicht ergeben zukünftige Recherchen, dass Ludwig Ganghofer dieses Zitat nicht geprägt, sondern von einer noch unbekannten Quelle übernommen hat.

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Quellen:
Google-Statistik: "Ungefähr 11 200 Ergebnisse"
 Lexikon der Goethe-Zitate. Hrsg. von Richard Dobel, Artemis Verlag, Weltbild Verlag, Augsburg: 1991
Ludwig Ganghofer: "Das Schweigen im Walde", Droemersche Verlagsanstalt Knaur: 1968, S. 93 (Link)(gutenberg.spiegel.de) 
Arbeitsgruppe von Ulrich Seelbach von der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft der Universität Bielefeld: "Trauersprüche"

 Ohne Zuschreibung an Goethe:
2002: penig.de/assets/Penig/amtsblatt/02-05-31.pdf
2003: krebs-kompass.org
2004: .chefkoch.de/forum
2005: simforum.de

Irrtümliche Zuschreibung des Trauerspruchs an Goethe seit dem Jahr 2004:
2004: fotocommunity.de/pc/pc/display/1812042
2004: horse-gate-forum.com

2005: das-haflingerforum.ch


2010: total-lokal.de/pdf

Beispiele für falsche Zuschreibung in Trauerspruchsammlungen:
trauerspruch.de
aphorismen.de/zitat/25919
postkartenparadies.de/



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Dank:
Ich danke Ulrich Seelbach von der Universität Bielefeld für seine kommentierte Sammlung von aktuellen Trauersprüchen und Zitante Christa für ihre Recherchen.  

Letzte Änderung: 11. Juni 2019

Dienstag, 16. Mai 2017

"Wir haben das falsche Schwein geschlachtet." Winston Churchill (angeblich)

Pseudo-Winston-Churchill-Zitat.


Dieses in rechten Kreisen beliebte Pseudo-Churchill-Zitat wurde ihm schon kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs untergeschoben (Link).

Es soll die Meinung Winston Churchills ausdrücken, es wäre besser gewesen, Stalin zu besiegen und nicht Hitler: 

Aber Winston Churchill war nicht dieser Meinung, er hat es nie bereut, gegen Hitler-Deutschland gekämpft zu haben; es gibt keine seriöse Quelle für dieses Zitat. Also ist es ein Falschzitat.

Varianten des Kuckuckszitats:

  • "It is clear to me now that we have slaughtered the wrong pig." (Link)
  • "We butchered the wrong pig."
  • "We've cut the wrong pig." 
  • "Wir haben das falsche Schwein geschlachtet."

Experten der International Churchill Society bestätigen, dass dieser Spruch in keinem Text Winston Churchills zu finden ist und ihm fälschlich zugeschrieben wird:
  • "We searched our research database but have not found either 'we slaughtered the wrong pig' or 'we fought the wrong enemy.'" (Link)
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Quellen:
Google
International Churchill Society, winstonchurchill.org: (Link)
New Statesman, Band 36, 1948, S. 373 (Link)
Wikipedia

Falsche Zuschreibungen, zum Beispiel in: 

Der Spiegel, 2006: "Churchills Geheimnisse Ein elektrischer Stuhl für Hitler" 
Enst Jünger, "Siebzig verweht II", Klett-Cotta, Stuttgart: 1981, S. 443 (Link)


Letzte Änderung: 1/4 2022

"Für ein zufriedenes Leben braucht man neun Dinge: genügend Gesundheit ..." Johann Wolfgang von Goethe (angeblich)

Pseudo-Goethe quote
Seit 1935 wird dieses Zitat auf Englisch Johann Wolfgang Goethe zugeschrieben, erst im 21. Jahrhundert auch auf Deutsch. Es ist in den Schriften Goethes nicht zu finden; Quote Investigator ist der Geschichte dieser falschen Zuschreibung nachgegangen: (Link)

Varianten:
  • "Für ein zufriedenes Leben braucht man neun Dinge:
    Genügend Gesundheit, dass die Arbeit Freude macht.
    Genügend Wohlstand, um seine Bedürfnisse zu befriedigen.
    Genügend Kraft, um mit seinen Schwierigkeiten zu kämpfen und sie zu besiegen.
    Genügend Gnade, um seine Sünden zu bekennen und zu überwinden.
    Genügend Geduld, um sich zu bemühen, bis etwas Gutes zustande gekommen ist.
    Genügend Nächstenliebe, um in seinen Nachbarn etwas Gutes zu entdecken.
    Genügend Liebe, um sich zu entschließen, anderen zu helfen.
    Genügend Glaube, um die wahren Werke Gottes zu tun.
    Genügend Hoffnung, dass all die angstvollen Zukunftsgedanken schwinden."
  • "The Nine Requisites for Contented Living:
    (1) Health enough to make work a pleasure.
    (2) Wealth enough to support your needs.
    (3) Strength to battle with difficulties and overcome them.
    (4) Grace enough to confess your sins and forsake them.
    (5) Patience enough to toil until some good is accomplished.
    (6) Charity enough to see some good in your neighbor.
    (7) Love enough to move you to be useful and helpful to others.
    (8) Faith enough to make real the things of God.
    (9) Hope enough to remove all anxious fears concerning the future."

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Quelle:
Quote Investigator: "Nine Requisites for Contented Living - Johann Wolfgang von Goethe? William D. Smith? Anonymous?", 2016 (Link)



Montag, 15. Mai 2017

"Einer Invasion von Armeen kann man Widerstand leisten, aber keiner Idee, deren Zeit gekommen ist." Victor Hugo (angeblich)

Dieses Zitat ist die Verbindung eines Satzteiles Victor Hugos mit einem Satzteil aus einem Roman von Gustave Aimard. Aus dem Satz Victor Hugos: "Man kann der Invasion von Armeen Widerstand leisten, aber keiner Invasion von Ideen", wurde mit der Zeit die prägnantere Wendung: "... doch nicht einer Idee, deren Zeit gekommen ist". (Siehe: Juttas Zitateblog)
  • 1852/1877:
    "Man kann der Invasion von Armeen widerstehen, aber keiner Invasion von Ideen."
    „On résiste à l'invasion des armées; on ne résiste pas à l'invasion des idées.“
    Victor Hugo, "Histoire d'un crime", Paris: 1852 (geschrieben) / 1877 (erstveröffentlicht) (Link)
  • 1861:
    "Es gibt etwas, das stärker ist als die rohe Gewalt der Bajonette: das ist eine Idee, deren Zeit gekommen ist und deren Stunde geschlagen hat."
    "Il y a quelque chose de plus puissant que la force brutale des baïonnettes: c'est l'idée dont le temps est venu et l'heure est sonnée." 
    Gustave Aimard: "Les Francs-Tireurs", Paris: 1861 (Link)
  • Heute:
    "Man kann der Invasion einer Armee widerstehen, doch nicht einer Idee, deren Zeit gekommen ist."
    „On peut résister à l’invasion d'une armée mais pas à celle d’une idée dont le temps est venu.“
    (Tausendfach in diversen Varianten und verschiedenen Sprachen Victor Hugo zugeschrieben.)
Einige Varianten (gesammelt von Juttas Zitateblog):
  • "Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist."
  • "Der Invasion von Armeen kann Widerstand geleistet werden, nicht aber einer Idee, deren Zeit gekommen ist."
  • "Doch nichts wirkt so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist."
  • "Einer Invasion von Armeen kann man Widerstand leisten, aber keiner Idee, deren Zeit gekommen ist."
  • "Es gibt etwas, das stärker ist als alle Armeen der Welt, und das ist eine Idee, deren Zeit gekommen ist."
  • "Es gibt nichts Mächtigeres auf der Welt als eine Idee deren Zeit gekommen ist."
  • "Etwas ist stärker als alle Armeen der Welt: eine Idee, deren Zeit gekommen ist."
  • "Gegen die Invasion einer Armee kann man sich verteidigen, gegen die Invasion einer Idee gibt es keine Verteidigung."
  • "Keine Armee der Welt kann sich der Macht einer Idee widersetzen, deren Zeit gekommen ist."
  • "An invasion of armies can be resisted; an invasion of ideas cannot be resisted."
  • "Armies cannot stop an idea whose time has come.No one can resist an idea whose time has come."
  • "Nothing is as powerful as an idea whose time has come."
  • "One can resist an army, but never an idea whose time has come."
  • "We resist the invasion of armies, but we do not resist the invasion of ideas."
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Quellen:
Juttas Zitateblog
Wikiquote Englisch: Victor Hugo (präziser als Wikiquote, Deutsch)
Wikiquote Deutsch: Victor Hugo
Ralph Keyes: "The Quote Verifier: Who Said What, Where, and When", 2007: (Link)
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Ich danke Tobias Blanken für den Hinweis auf dieses Zitat.

Samstag, 13. Mai 2017

"Zwei Dinge sollten Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel." Johann Wolfgang von Goethe (angeblich)

Pseudo-Goethe-Zitat. 
Dieses Pseudo-Goethe-Zitat kam vor knapp 20 Jahren auf und wurde in einer germanistischen Fachzeitschrift längst als Falschzitat entlarvt.

Auf Englisch ist das angebliche Goethe-Zitat - wie Garson O'Toole herausgefunden hat - als Ausspruch einer unbekannten "weisen Frau" seit 1953 nachweisbar (Link).

 Das Zitat wird in Amerika einigen Personen unterschoben, in den letzten 10 Jahren auch sehr oft Johann Wolfgang von Goethe.

Zeitschriften wie Stern und Focus haben neben Facebook und Twitter zu seiner Verbreitung beigetragen und es fehlen auch keine Online-Zitatesammlungen sowie die üblichen Ratgeber für Manager, wie: "Maucher und Malik über Management: Maximen unternehmerischen Handelns", die mit diesem Falschzitat Nähe zu Bildung und Tradition simulieren.
  • "Zwei Dinge sollten Kinder von Ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel."
  • "There are two things children should get from their parents: roots and wings."
Pseudo-Goethe quote.
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Quellen:
"Goethismus. Zur Phänomenologie literarischer Zitation." Von Robert Charlier, Berlin Jahrbuch für internationale Germanistik, Band 37: 2005, S. 165
Über die Metapher (ohne Goethebezug):
Gabriele Meyer: "Spuren lesen im Ego-Tunnel: Autobiographisches Schreiben im 21. Jahrhundert", Diplomica Verlag: 2013,  Kapitel: "Die Wirkungsebene - Wurzel und Flügel spüren", S. 25ff.
Garson O'Toole: "'There Are Two Lasting Bequests We Can Give Our Children: Roots and Wings ': Henry Ward Beecher? Jonas Salk? Hodding Carter? Wise Woman? Ronald Reagan? Jean W. Rindlaub? Anonymous?", 2014 (Link) 

Beispiele für falsche Zuschreibungen:
Google-Statistik, Deutsch: "Ungefähr 1 480 Ergebnisse"
Google-Statistik, Englisch: "Ungefähr 958 Ergebnisse"
mysmallboat.info , 2006 (frühe englische Zuschreibung)
Helmut Maucher, Fredmund Malik, Farsam Farschtschian: "Maucher und Malik über Management: Maximen unternehmerischen Handelns", Campus: 2012, S. 344
 Stern
Focus

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Dank:
Ich danke wieder einmal Ralph Bülow sehr für seinen Hinweis auf Garson O'Tooles Recherchen.

Artikel in Arbeit.

"Wir werden nimmer seinesgleichen sehen." Shakespeare, Julius Cäsar (angeblich)


Süddeutsche Zeitung, 12. Mai 2017
Das steht am 12. Mai 2017 so in einem der vielen Nachrufe auf den ehemaligen Feuilletonchef der "Süddeutschen Zeitung", Joachim Kaiser. - Julius Cäsar hat mit diesem Spruch nichts zu tun: Hamlet sagt das so ähnlich über seinen Vater.
Zur Erinnerung:
Hamlet redet in der Tragödie in der 2. Szene des 1. Akts in einem "Staatszimmer" im Schloss von Helsingör mit Horatio über seinen Vater:
  • "HORATIO
    Ich sah ihn einst, er war ein wackrer König.
    HAMLET
    Er war ein Mann, nehmt alles nur in allem;
    Ich werde nimmer seinesgleichen sehn."
    William Shakespeare: "Hamlet. Prinz von Dänemark." I/2  (Schlegel-Tiecksche Übersetzung)
  • "HORATIO
    Ich sah ihn einst, er war ein guter König.
    HAMLET
    Er war ein Mann; nehmt alles nur in allem,
    Ich werde nie wieder seinesgleichen sehn."
    William Shakespeare: "Hamlet." I/2 (Übersetzung von Erich Fried)
  • "HORATIO
    Ich sah ihn mal, er war ein großer König.
    HAMLET
    Er war ein Mann, allseits in all und allem.
    Ich werde nie wieder jemand sehn wie ihn."
    William Shakespeare: "Hamlet." I/2 (Übersetzung von Frank Günther)
  • "HORATIO
    Ich sah ihn einst: er war ein stolzer König.
    HAMLET
    Er war ein Mann, nehmt alles nur in allem;
    Ich werde seinesgleichen nie mehr sehn."
    William Shakespeare: "Hamlet. Prinz von Dänemark." I/2  (Übersetzung von Richard Flatter)
  • "HORATIO
    I saw him once. He was an admirable king.
    HAMLET
    He was a great human being. He was perfect in everything.
    I’ll never see the likes of him again."
    Modernisierung: "No Fear Shakespeare"

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Quellen:
Shakespeares sämtliche Dramen in vier Bänden. Schlegel-Tiecksche Übersetzung, 2. Band, Phaidon-Verlag, Stuttgart / Wien / New York: (o. D.)
Erich Fried: Shakspeare, 2. Band, Verlag Klaus Wagenbach,  Berlin: 1989
Richard Flatter: Shakespeare neu übersetzt. In sechs Bänden. 3. Band, Walter Krieg Verlag, Wien / Bad Bocklet / Zürich: 1954
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Dank an Archiphilologus für den Hinweis auf Frank Günthers Übersetzung.