Mittwoch, 10. Oktober 2018

"Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste." Heinrich Heine (angeblich)

Pseudo-Heinrich-Heine Zitat.
Dieser nicht nur in der Bücherbranche vielzitierte Satz klingt gar nicht nach einem Autor mit so unvergleichlichem Witz wie Heinrich Heine einer war. Und das Zitat wird ihm auch erst im 21. Jahrhundert unterschoben. Davor ist es in den digitalisierten Texten nicht zu finden.

Dieses angebliche Heinrich-Heine-Zitat ist die Paraphrase eines Satzes aus Hermann Hesses Essay "Magie des Buches":

 Hermann Hesse, 1930

  • "Von den vielen Welten, die der Mensch nicht von der Natur geschenkt bekam, sondern aus dem eigenen Geist erschaffen hat, ist die Welt der Bücher die größte. Jedes Kind, wenn es die ersten Buchstaben auf seine Schultafel malt und die ersten Leseversuche macht, tut damit den ersten Schritt in eine künstliche und höchst komplizierte Welt, deren Gesetze und Spielregeln ganz zu erkennen und vollkommen zu üben kein Menschenleben ausreicht."

    Hermann Hesse: "Magie des Buches", Berliner Tageblatt, 14. November 1930 (Link)

Den Hinweis auf den Urspung des angeblichen Heinrich-Heine-Zitats bei Hermann Hesse verdanke ich der Webseite literatpro.de

Vielleicht führten die identischen Initialien "HH" beider Autoren zu der Verwechslung.  Das Zitat könnte erstmals in dem Forum der Webseite buechertreff.de im August 2004 falsch zugeschrieben worden sein.

Es ist völlig unwahrscheinlich, dass dieser Satz jemals an einer versteckten Stelle in einer Schrift Heinrich Heines gefunden werden wird, da die gesammelten Schriften Heines mehrfach digitalisiert sind.

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Quellen:
.Hermann Hesse: "Magie des Buches" (Erstdruck: Berliner Tageblatt, 14. November 1930), Sämtliche Werke, Band 14, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main: 2003, S. 403  (Link)
literatpro.de : "Von Welten, die der Mensch erschaffen hat ", 2016

Falsch zugeschrieben:
2004:  buechertreff.de/forum (Frühe falsche Zuschreibung an Heinrich Heine:

Zeitungen: GoogleNews

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Dank:


Ich danke auch Ralf Bülow für seine Recherchen.