Donnerstag, 15. Juni 2023

"Es ist schlimm, in einem Lande zu leben, in dem es keinen Humor gibt. Aber noch schlimmer ist es, in einem Lande zu leben, in dem man Humor braucht." Bertolt Brecht (angeblich)

Etwas verändertes Zitat aus Bertolt Brechts Flüchtlingsgesprächen (Ziffel sagt es.).

Dieses Zitat steht so ähnlich in Bertolt Brechts 1961 erschienenem Prosa-Werk "Flüchtlingsgespräche". 

Auszüge aus diesem fast fertiggestellten Werk wurden zwei Jahre nach dem Tod Brechts schon 1958 im Aufbau Verlag mit dem Untertitel "Über die Hegelsche Dialektik" publiziert.

 

Bertolt Brecht,  "Flüchtlingsgespräche":

1958/1961

Ziffel:

  • "In einem Land leben, wo es keinen Humor gibt, ist unerträglich, aber noch unerträglicher ist es in einem Land, wo man Humor braucht."

    Bertolt Brecht: "Flüchtlingsgespräche" (1961) Prosa II, 1965, S. 233

 1959

  •   "To live in a country without a sense of humor is unbearable ; but it is even more unbearable to live in a country where you need a sense of humor."

    Martin Esslin: "Brecht: The Man and his Work" (1959) 

Seit etwa 1982 hat sich dieses Zitat in der etwas veränderten Fassung verbreitet, und steht in diesem Wortlaut ohne Quellenangabe seit 1993 auch im Band 12 "Zitate und Ausspüche" des Duden Verlags.

1982

  • "Es ist schlimm, in einem Lande zu leben, in dem es keinen Humor gibt. Aber noch schlimmer ist es, in einem Lande zu leben, in dem man Humor braucht." 

Nordwest Zeitung, 25. Mai 1982, S.  4 

 

Warum das Adjektiv "unerträglich" durch die Worte "es ist schlimm" ersetzt wurde, kann ich nicht sagen.

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Quellen: 

Bertolt Brecht: "Flüchtlingsgespräche" (1961) in: Bertolt Brecht: Prosa II, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main: 1965, S. 233
Bertolt Brecht: "Flüchtlingsgespräche. Über die Hegelsche Dialektik" Aufbau Verlag, Ost-Berlin: Februar 1958, S. 181 [Zitiert nach Martin Esslin.]
Martin Esslin: "Brecht: The Man and his Work" (1959) Revised edition, Anchor Books, New York: 1971, S. 210 
Nordwest Zeitung, Ausgabe Oldenburger Nachrichten, 25. Mai 1982, 4 (genios.de) [Frühe, vielleicht erste veränderte Fassung des Brecht-Zitats.]
Dudenredaktion: Duden - Zitate und Ausspüche, Band 12, Duden Verlag, Mannheim: 1993, S. 637    

 Artikel in Arbeit.

Donnerstag, 8. Juni 2023

"Wo ein Jäger lebt, können zehn Hirten leben, hundert Ackerbauer und tausend Gärtner." Pseudo-Alexander-von-Humboldt-Zitat.

 

Pseudo-Alexander-von-Humboldt-Zitat.

Dieses angebliche Alexander-von-Humboldt-Zitat steht in vielen Online-Zitate-Sammlungen, aber in den Schriften des berühmtesten Forschungsreisenden und Universalgelehrten des 19. Jahrhunderts ist es so wenig zu finden wie in seriösen Zitate-Lexika.

Da das Zitat erst um 1997 in diesem Wortlaut Alexander von Humboldt erstmals zugeschrieben wurde, aber nicht in einem Fachbuch, sondern in einer "Freizeit und Rollenspiele"-Gruppe im Internet, halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass das Zitat jemals in einem Text Humboldts gefunden werden wird.

Das Kuckuckszitat wird seit dem Jahr 2007 in Büchern und Zeitungen verbreitet, und seit dem Jahr 2009 auf Twitter.


Beispiele für frühe Zuschreibungen des Kuckuckszitats:


28. Oktober 1997:

 

31. August 1998:

4. September 1998



Ingo Schwarz von der Alexander-von-Humboldt-Forschungsstelle der Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften hat mich noch auf ein ähnliches, angebliches Zitat Alexander von Humboldts aufmerksam gemacht, das 100 Jahre älter ist als dieses Internet-Zitat:

1890

Dieses Zitat könnte noch in einem der vielen Texte Alexander von Humboldts auf Deutsch oder Französisch gefunden werden.

Vielleicht ist das Jäger-Zitat durch eine ungenaue Erinnerung an dieses Zitat, dessen ursprüngliche Quelle wir noch nicht gefunden haben, entstanden.



Artikel in Arbeit.



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Quellen:

Abt P. Franz: "Die Trappisten-Mission in Süd-Afrika." Verlag der Trappisten-Abtei Mariannhill: 1889-1890, S. 142 (Link)

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Dank:
Ich danke Ingo Schwarz für die Hinweise auf diese zwei Zitate.

Mittwoch, 31. Mai 2023

"Nur Barbaren können sich verteidigen". Pseudo-Friedrich-Nietzsche-Zitat.

Hans Magnus Enzensberger: "Aussichten auf den Bürgerkrieg",
Suhrkamp, Frankfurt am Main: 1993, S. [7].

Hans Magnus Enzensberger hat für sein 1993 erschienenes Buch "Aussichten auf den Bürgerkrieg" 
als Motto den wuchtigen Satz "Nur Barbaren können sich verteidigen" gewählt, und diesen Satz "Nietzsche" zugeschrieben.
 
Dieses Zitat ist allerdings weder so noch so ähnlich in den Schriften Friedrich Nietzsches zu finden, worauf schon Sebastian Kaufmann in seiner Studie "Nietzsche und die Neue Rechte: Auch eine Fortführung der Konservativen Revolution" aufmerksam gemacht hat (Link).

Jack Donovan: "Nur Barbaren können sich verteidigen." 2017
"Becoming a Barbarian" (2016)
Dieses Pseudo-Nietzsche-Zitat von Hans Magnus Enzensberger ist inzwischen in der rechtsextremen Szene beliebt geworden, im Antaios Verlag erschien das Buch eines frauenfeindlichen, rassistischen Ex-Satanisten zur Verteidigung der Männlichkeit mit diesem Titel, und Götz Kubitschek, der Verleger des Antaios Verlags, motivierte seine Leserinnen mit diesem Pseudo-Nietzsche-Zitat, sich auf den Bürgerkrieg vorzubereiten:

 

Beispiel für die Verwendung des Pseudo-Nietzsche-Zitats :

 

  • "Wenn wir Deutschen zu zivilisiert für die Notwendigkeiten des Vorbürgerkriegs bleiben, ist die Auseinandersetzung bereits entschieden. ‚Nur Barbaren können sich verteidigen‘, sagt Nietzsche.

    Allgemein gewendet: Wem sein Vaterland lieb ist, muß den Vorbürgerkrieg gewinnen, bevor er unbeherrschbar wird. Und da dieser Krieg neben dem handfesten, den die Polizei und jeder Angegriffene auf der Straße und in seinem Viertel auszufechten hat, vor allem ein geistiger Bürgerkrieg gegen die Lobbyisten der Zersetzung ist, müssen wir die eine, traurige Wahrheit predigen, wo wir zu Wort kommen: Es sind die Deutschen selbst, die gegen ihr Land und gegen ihr Volk arbeiten."
    Götz  Kubitschek: Provokation. Edition Antaios. Schnellroda: 2017, S. 17

 

Als 'Barbaren'  galten in Griechenland alle Menschen, die nicht oder nur schlecht Griechisch sprechen konnten.

Über die Behauptung, nur Barbaren könnten sich verteidigen, hätten Athener und Spartaner zur Zeit von Perikles wohl nur gelacht.

Wahrscheinlich ist Enzensbergers Nietzsche-Zitat durch eine Fehlerinnerung an einen Satz Friedrich Nietzsches über Barbaren und die Barbaren-Kaste entstanden, aber ich kann nicht sagen, an welchen.

Wörter mit den Silben "barbar" kommen über 200 Mal in Nietzsches digitalisierten Schriften vor (nietzschesource.org)


Artikel in Arbeit.
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Quellen:

Friedrich Nietzsche: Digitale Kritische Gesamtausgabe der Werke und Briefe, basierend auf der Ausgabe von G. Colli und M. Montinari, Berlin/New York, de Gruyter: 1967ff., hrsg. von Paolo D’Iorio  (nietzschesource.org) 
Sebastian Kaufmann: "Nietzsche und die Neue Rechte: Auch eine Fortführung der Konservativen Revolution", in: "Friedrich Nietzsche und die konservative Revolution", herausgegeben von Sebastian Kaufmann und Andreas Urs Sommer, Friedrich-Nietzsche-Stiftung, Walter de Gruyter, Berlin / Boston: 2018 ebook (Link)
Hans Magnus Enzensberger: "Aussichten auf den Bürgerkrieg",
Suhrkamp, Frankfurt am Main: 1993, S. [7]
Götz  Kubitschek: "Provokation." Edition Antaios, Schnellroda: 2017, S. 17 [Vorerst zitiert nach Franz Erhard.]
Jack Donovan: "Nur Barbaren können sich verteidigen." Edition Antaios, Schnellroda: 2017 [In der amerikanischen Originalausgabe "Becoming a Barbarian" (2016) wird Nietzsches Namen nicht erwähnt, wenn ich mich nicht irre.] 


 
Friedrich Nietzsche:



  • "Jede Erhöhung des Typus „Mensch“ war bisher das Werk einer aristokratischen Gesellschaft — und so wird es immer wieder sein: als einer Gesellschaft, welche an eine lange Leiter der Rangordnung und Werthverschiedenheit von Mensch und Mensch glaubt und Sklaverei in irgend einem Sinne nöthig hat. Ohne das Pathos der Distanz, wie es aus dem eingefleischten Unterschied der Stände, aus dem beständigen Ausblick und Herabblick der herrschenden Kaste auf Unterthänige und Werkzeuge und aus ihrer ebenso beständigen Übung im Gehorchen und Befehlen, Nieder- und Fernhalten erwächst, könnte auch jenes andre geheimnissvollere Pathos gar nicht erwachsen, jenes Verlangen nach immer neuer Distanz-Erweiterung innerhalb der Seele selbst, die Herausbildung immer höherer, seltnerer, fernerer, weitgespannterer, umfänglicherer Zustände, kurz eben die Erhöhung des Typus „Mensch“, die fortgesetzte „Selbst-Überwindung des Menschen“, um eine moralische Formel in einem übermoralischen Sinne zu nehmen.

    Freilich: man darf sich über die Entstehungsgeschichte einer aristokratischen Gesellschaft (also der Voraussetzung jener Erhöhung des Typus „Mensch“ — ) keinen humanitären Täuschungen hingeben: die Wahrheit ist hart. Sagen wir es uns ohne Schonung, wie bisher jede höhere Cultur auf Erden angefangen hat! Menschen mit einer noch natürlichen Natur, Barbaren in jedem furchtbaren Verstande des Wortes, Raubmenschen, noch im Besitz ungebrochner Willenskräfte und Macht-Begierden, warfen sich auf schwächere, gesittetere, friedlichere, vielleicht handeltreibende oder viehzüchtende Rassen, oder auf alte mürbe Culturen, in denen eben die letzte Lebenskraft in glänzenden Feuerwerken von Geist und Verderbniss verflackerte. Die vornehme Kaste war im Anfang immer die Barbaren-Kaste: ihr Übergewicht lag nicht vorerst in der physischen Kraft, sondern in der seelischen, — es waren die ganzeren Menschen (was auf jeder Stufe auch so viel mit bedeutet als „die ganzeren Bestien“ — )."

    Friedrich Nietzsche: Jenseits von Gut und Böse: § 257.



Montag, 29. Mai 2023

"Es gibt Redefreiheit, aber ich kann keine Freiheit nach der Rede garantieren.” Pseudo-Idi-Amin-Zitat.

Pseudo-Idi-Amin-Zitat.

 Artikel in Arbeit.

Pseudo-Idi-Amin-Zitate:

  •  "There is freedom of speech, but I cannot guarantee freedom after speech."
  • "Es gibt Meinungsfreiheit, aber ich kann keine Freiheit nach der Rede garantieren."
  • "Es gibt Redefreiheit, aber ich kann keine Freiheit nach der Rede garantieren."

Dass es Meinungsfreiheit und Redefreiheit gibt, aber keine Freiheit nach der Rede, ist ein alter russischer Witz aus der Zeit der Sowjetunion.



1982
Donald D Barry, Carol Barner-Barry: "Contemporary Soviet politics: an introduction"  
Englewood Cliffs, N.J. : Prentice-Hall: 1982, S. 77  (Link)

Seit ungefähr 13 Jahren wird auf Englisch eine Version dieses Witzes dem grausamen Diktator Ugandas Idi Amin zugeschrieben, der sich am Beginn seiner Regierungszeit als Politclown mit lustigen Sprüchen inszenierte. 

Dieser "Schlächter von Afrika" musste sich nie vor einem Gericht für seine Verbrechen verantworten und starb im Jahr 2003 in Saudi-Arabien. 

Während seiner 8jährigen Regierungszeit von 1971 bis 1979  ließ er hunderttausende Menschen ermorden, die genaue Zahl ist unbekannt. 

Vor dem Jahr 2011 habe ich bislang keine Zuschreibung des russischen Witzes an Idi Amin gefunden.

Auf Twitter zum Beispiel taucht bei einer chronologischen Suche die erste Zuschreibung des Witzes an Idi Amin im Juli 2011 auf. 

In den Jahren davor  findet man öfters Varianten des Witzes auch auf Twitter, aber immer ohne Zuschreibung an ihn.


3. Juli 2011



Pseudo-Idi-Amin-Zitat.


Dieses angebliche Idi-Amin-Zitat ist wahrscheinlich ein Kuckuckszitat, aber ich kann noch nicht sagen, wer mit der falschen Zuschreibung begonnen hat.


__ Artikel in Arbeit.

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Quellen:


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Dank:


Ich danke Rainer Venino für den Hinweis auf das Kuckuckszitat.








Montag, 15. Mai 2023

"Bildung des Geistes ohne Bildung des Herzens ist keine Bildung." Pseudo-Aristoteles-Zitat.

 

Pseudo-Aristoteles-Zitat.

Das pädagogische Ideal, Geist und Herz müssten gemeinsam gebildet werden, wurde erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts nachdrücklich gefordert, und ist in den Schriften von Aristoteles weder so noch so ähnlich zu finden, wie auch die Altphilologinnen von der Gruppe Sententiaeantiquae festgestellt haben.

Die Vorstellung von Verstand und Herz als Gegensatz ist erst im christlichen Mittelalter aufgekommen und wurde erst von Blaise Pascal und von Philosophen der Aufklärung im 18. Jahrhundert philosophisch begründet.


Varianten des Kuckuckszitats:
  • Educating the mind without educating the heart is no education at all!
  • Den Geist zu erziehen, ohne das Herz zu erziehen, ist überhaupt keine Erziehung.
  • Den Geist zu erziehen Ohne das Herz zu erziehen ist keine Bildung
  • Den Verstand zu erziehen, ohne das Herz zu erziehen, ist überhaupt keine Bildung.
  • Erziehung des Geistes ohne Erziehung des Herzens ist überhaupt keine Bildung.
Pseudo-Aristoteles-Zitat.

Vorgeschichte des Kuckuckszitats:

 

In Deutschland und Amerika wird seit den 1840er Jahren in der pädagogischen Literatur wiederholt darauf hingewiesen, dass die Bildung des Verstandes nicht ohne gleichzeitige Bildung des Herzens geschehen sollte. Einige Beispiele:

 
1842
  • "Alles Wissen an sich und alle Bildung des Geistes frommt ohne Bildung des Herzens wenig oder nichts, und kann vielmehr in hohem Grade verderblich werden." 

    Universal-Lexicon der Erziehungs- und Unterrichts-Lehre für ältere und jüngere christliche Volksschullehrer, 1842
     
    (Link)
 
1848
  • Whilst the State plan educates the mind without educating the heart, the plan under consideration, does not fall into the opposite extreme, but aims at educating the mind and the heart, the soul with all its powers. (archive.org)
 Die Formulierung "no education at all" für Erziehung des Intellekts ohne Herzenserziehnung scheint 1852 durch Helen Harper geprägt worden zu sein:
 
1852
  • "But education that reaches the intellect only, that 'plays around the head, but comes not near the heart,' is no education at all."
    Helen Harper in: The Schoolmate,  1852, p. 25 (Link)
1866
  • "Denn alle Bildung des Geistes ohne Bildung des Herzens für's Gottesreich wäre keine Bildung, sondern eine traurige und gefährliche Verbildung".
    Richard Volkmann in: Städtisches Evangelisches Gymnasium zu Jauer, 1866 (Link)
1887
  • The statistics are awful. Now it will be so if you educate the brain without educating the heart. You simply put into hands the skill to pickthe locks of human welfare. (archive.org)
1878
  • It is a favorite saying of some that "you cannot educate the head without educating the heart/' but in the sense in which the maxim would be applied to our schools it is utterly false. (archive.org)
1888
  • To instruct the mind without educating the heart but increases the power for evil.  (archive.org)

1991
  • "EDUCATING THE MIND WITHOUT EDUCATING THE HEART IS NO EDUCATION AT ALL. - ARISTOTLE" (Link)

Die falsche Zuschreibung an Aristoteles scheint um 1990 auf Englisch entstanden zu sein, auf Deutsch wird das Zitat erst im 21. Jahrhundert Aristoteles untergeschoben.
 

Artikel in Arbeit.
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Quellen: 

Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band 3 G-H,  herausgegeben von Joachim Ritter unter Mitwirkung von mehr als 800 Fachgelehrten. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt / Schwabe u. Co, Basel: 1974, Artikel "Herz", S. 1100-1112; 1107

Works by Aristotle (classics.mit.edu)
Sententiaeantiquae: "Head and Heart: A Quotation Falsely Attributed to Aristotle", 2017 (sententiaeantiquae.com/2017/05/27)
Aristoteles: Die Nikomachische Ethik. Griechisch-Deutsch, Sammlung Tusculum, übersetzt von Olof Gigon, neu herausgegeben von Rainer Nickel, Patmos Verlag, Artemis u. Winkler, Düseldorf (2001) 2. Auflage 2007  
 Nikomachische Ethik, Aristoteles: Werke in deutscher Übersetzung, hrsg. von Hellmut Flashar,  Band 6, übersetzt und kommentiert von Franz Dirlmeier, Akademie Verlag, Berlin: 10. Auflage 1999 
M. C. Münch: Universal-Lexicon der Erziehungs- und Unterrichts-Lehre für ältere und jüngere christliche Volksschullehrer, Zweiter Band, I.A. Schlosser's Buch- und Kunsthandlung, Augsburg: 1842, Artikel 'Lehrwissenschaft', S. 50 (Link)
Helen Harper in: The Schoolmate, Monthly Reader ed. by A.R. Phippen,  Volume 1, George Savage, New York: 1852, p. 25 (Link)
Richard Volkmann in: Städtisches Evangelisches Gymnasium zu Jauer, Ostern 1866, Opitz'sche Druckerei, Jauer: 1866, S. 18 (Link)


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Dank:
Ich bin wieder einmal Bernd-Christoph Kämper sehr dankbar für seine gründlichen Recherchen und Zitat-Funde. Dank auch an die Altphilolog:innen von Sententiaeantiquae und an Ralf Bülow.


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(archive.org) 2000 doubt, 2013 (archive.org/)
 

Mittwoch, 10. Mai 2023

"Die Menschen bauen zu viele Mauern und zu wenig Brücken.“ Pseudo-Isaac-Newton-Zitat.


Pseudo-Isaac-Newton-Zitat. 

Dieses Zitat wird dem Physiker Isaac Newton (1643-1727) durch eine Verwechslung mit dem namensgleichen baptistischen Pfarrer Joseph Fort Newton (1880-1950) untergeschoben.

Entstanden ist der Irrtum nach der Nobelpreisrede des Friedensnobelpreisträgers George Pire, der in seiner Rede 1958 als Motto den Aphorismus eines "Newton" wählte, ohne den Vornamen dieses "Newton" anzugeben. 

Den Friedensnobelpreis erhielt der belgische Dominikaner George Pire "für seine Bemühungen, Flüchtlingen dabei zu helfen, ihre Lager zu verlassen und in ein Leben in Freiheit und Würde zurückzukehren"(Link).

George Pire, Motto der Nobelpreisrede, 1958:

  • “Les hommes construisent trop de murs et pas assez de ponts. (Newton)"   (nobelprize.org)

    (Männer bauen zu viele Mauern und nicht genug Brücken. 
    Men build too many walls and not enough bridges.)

Dieses Motto könnte eine Paraphrase eines Gedankens von Joseph Fort Newton sein, wie Autorinnen von wikiquote herausgefunden haben.

Joseph Fort Newton vergleicht die vielen schüchternen, einsamen, verschlossenen Menschen, die nie glücklich sind, mit dem Mann aus dem biblischen Gleichnis von den anvertrauten Talenten, der seinen ihm  anvertrauten Taler eingräbt - aus Angst ihn zu verlieren -, statt mit ihm zu wirtschaften, so wie jene, die mehr Taler als er bekommen hatten.

Das Gleichnis endet bei Lukas 19:27 mit den berühmten Worten des Königs: "Wer hat, dem wird gegeben werden; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat."

Der baptistische Prediger Joseph Fort Newton empfahl, nicht so wie dieser arme Mann aus dem Gleichnis ängstlich Mauern um sich zu bauen, sondern Brücken zu anderen:


Joseph Fort Newton 1948:

  • "Why are so many people shy, lonely, shut up within themselves, unequal to their tasks, unable to be happy? Because they are inhabited by fear, like the man in the Parable of the Talents, erecting walls around themselves instead of building bridges into the lives of others; shutting out life."

    Joseph Fort Newton: "The One Great Church: Adventures of Faith." Macmillan, New York: 1948, p. 51f. (Link)


Artikel in Arbeit.

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Quellen:

Georges Pire – Conférence Nobel; prononcé à Oslo le 11 décembre 1958: "L’Amour Fraternel, Fondement de la Paix" (Brüderliche Liebe, Grundlage des Friedens)  (nobelprize.org) [Französisch und  Englisch]
nobelprize.org/prizes/peace/1958/summary/
Joseph Fort Newton: "The One Great Church: Adventures of Faith." Macmillan, New York: 1948, p. 51f. 
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Dank:
Ich danke holio für die Frage zu diesem Kuckuckszitat und den wikiquote-Autor:innen für ihre Recherchen.