Samstag, 28. März 2020

"Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen." Karl Valentin (angeblich)

Pseudo-Karl-Valentin-Zitat.


Dieses in vielen Sprachen weitverbreitete, witzige Bonmot wird Karl Valentin erst im 21. Jahrhundert untergeschoben.

Geprägt wurde es in dänischer Sprache in den 1930er oder 1940er Jahren, der erste schriftliche Beleg stammt aus dem Jahr 1948 (Link).

Alle Zuschreibungen an Karl Valentin, Mark Twain, Georg Christoph Lichtenberg, Kurt Tucholsky, Winston Churchill und einige andere haben sich als falsch herausgestellt. Niels Bohr könnte es gesagt haben, aber bisher ist noch kein Beleg dafür gefunden worden.

Pseudo-Mark-Twain-Zitat.


Ich folge da den Einschätzungen der Zitatforscher Wolfgang Mieder, Fred Shapiro, Barry Popik und vor allem Garson O'Toole, der die Entwicklungsgeschichte dieses Zitats am ausführlichsten dokumentiert hat (quoteinvestigator.com).


Entwicklung des Zitats:



1955
  • "Det er meget svært at spå, især om fremtiden", sagde Storm Petersen (Link)
 1956
  • "Alas, it is always dangerous to prophesy, particularly, as the Danish proverb says, about the future." 
1971
  • We must test all intellectually respectable lines of inquiry, while keeping in mind that, as the great Danish physicist Neils Bohr said, “it is very difficult to predict — especially the future.”

1977
  • Der Volksmund wußte es, kalauernd, schon immer; Wetterämter und Wirtschaftsinstitute mußten es erst leidvoll erfahren: „Voraussagen sind schwierig, besonders für die Zukunft". (Link)

1978
  • Es gibt den bekannten Satz: Prognosen sind schwierig, besonders in bezug auf die Zukunft. (Link)
1984/1985
  • Ob bei der Physik noch etwas herauskommt, diese Frage kann niemand beantworten. lch erinnere an den Satz von Lichtenberg: «Alle Vorhersagen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.» (Link)


1989
  • "Prognosen sind immer schwierig, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen" hat Niels Bohr einmal gesagt.  (Link)
1990
  • Aber, wie der große Däne Niels Bohr einmal warnend feststellte: „ Voraussagen sind schwierig - vor allem wenn sie die Zukunft betreffen." S. 54f. (Link) 
1991
  • Hier scheint sich die amerikanische Weisheit bestätigt zu haben, daß Prognosen schwierig sind, vor allem dann, wenn sie die Zukunft betreffen.  (Link)
2003
  • Schliesslich sagt ein altes chinesisches Sprichwort nicht umsonst, dass Prognosen dann besonders schwierig sind, wenn sie die Zukunft betreffen. (Link) 

 

[Ist Ihnen ZITATFORSCHUNG zur Eindämmung falscher Zitate etwas wert? (Link)]



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Quellen:


Garson O'Toole: "It’s Difficult to Make Predictions, Especially About the Future: Niels Bohr? Samuel Goldwyn? K. K. Steincke? Robert Storm Petersen? Yogi Berra? Mark Twain? Nostradamus? Anonymous?", 2013 (quoteinvestigator.com).


 Artikel in Arbeit

"Du brauchst dein Zimmer gar nicht zu verlassen. Bleib an deinem Tisch sitzen und lausche..." Franz Kafka (angeblich)

Dieses entstellte Franz-Kafka-Zitat stammt aus einer Rückübersetzung aus dem Englischen eines Aphorismus von Franz Kafka aus dem Jahr 1920, der mit den Worten, "Es ist nicht notwendig, daß Du aus dem Haus gehst", beginnt:

Franz Kafka, 1920, Zürauer Zettel 109b: 

 

Franz Kafka, Zürauer Zettel, Nr. 109b (Link).

 

 Transkription:

 

  • "Es ist nicht notwendig, daß Du aus dem Haus gehst. Bleib bei Deinem Tisch und horche. Horche nicht einmal, warte nur. Warte nicht einmal, sei völlig still und allein. Anbieten wird sich Dir die Welt zur Entlarvung, sie kann nicht anders, verzückt wird sie sich vor Dir winden."  (Link)


Englische Übersetzung:




Rückübersetzung, entstelltes Franz-Kafka-Zitat:

  •  "Du brauchst dein Zimmer gar nicht zu verlassen. Bleib an deinem Tisch sitzen und lausche. Du brauchst nicht einmal zu lauschen. Warte einfach. Du brauchst nicht einmal zu warten, lerne einfach still zu sein, still und allein. Dann wird die Welt sich dir zur Demaskierung anbieten. Sie hat keine andere Wahl! Ekstatisch wälzt sie sich zu deinen Füßen." (Link)

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 Quellen:
Google
Franz Kafka: Zürauer Zettel. Historisch-Kritische Ausgabe sämtlicher Handschriften, Drucke und Typoskripte. Herausgegeben von Roland Reuß und Peter Staengle. Stroemfeld Verlag, Frankfurt am Main: 2011, Zettel Nr. 109b (Link)
Twitter: Klaus Pohlmann




archive.org 

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Dank:
Ich danke Klaus Pohlmann für die Frage nach diesem Zitat und Isabel Langkabel (@kabel_isa) und @b_iuditha für das Faksimile aus der Franz-Kafka-Edition von Roland Reuß.
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