Montag, 17. Dezember 2018

"Behandelt die Frauen mit Nachsicht! Aus krummer Rippe ward sie erschaffen; Gott konnte sie nicht ganz grade machen ...." Johann Wolfgang Goethe

    Dieser Vers aus Johann Wolfgang Goethes Gedichtsammlung "West-östliche Divan" stammt aus den mündlich überlieferten Worten Mohammeds, den sogenannten Hadithe, die Goethe durch die Übersetzung des Wiener Orientalisten Josef Hammer-Purgstalls kennen gelernt hat.

    Hammer-Purgstalls Auswahl der Hadithe erschien 1809, und Goethe hat das Buch "Fundgruben des Orients" nachweislich mehrmals aus der Weimarer Bibliothek ausgeliehen.

    Mohammed, übersetzt von Hammer-Purgstall, 1809

     

    • Behandelt die Frauen mit Nachsicht,
      denn das Weib ward erschaffen aus einer krummen Ribbe,
      und die beste von ihnen tragt die Spuren der krummen Ribbe.

      Wenn du sie gerade machen willst so brichst du sie,
      und wenn du sie ruhig läßt,
      so hört sie nicht auf krumm zu sein.
      Behandelt mit Nachsicht die Frauen.

      Josef von Hammer-Purgstall (Hammer): "Auszüge aus der mündlichen Überlieferung Mohammeds", Nr. 389, S. 278f.  "Fundgruben des Orients"

    Doch Goethe hat diesen Absatz nicht einfach übernommen, sondern einen Satz gestrichen und zwei ergänzt, wodurch der Stelle der ernste Tonfall genommen wurde. (Die hier fettgedruckten Wörter markieren die unterschiedlichen Fassungen.)

    Goethe, 1815 

     

    •  Behandelt die Frauen mit Nachsicht!
      Aus krummer  Rippe ward sie erschaffen,
      Gott konnte sie nicht ganz grade machen.
      Willst du sie biegen, sie bricht. 
      Lässt du sie ruhig, sie wird noch krümmer
      Du guter Adam, was ist denn schlimmer? 
      Behandelt die Frauen mit Nachsicht: 
      Es ist nicht gut daß euch eine Rippe bricht.
      Johann Wolfgang Goethe: West-östlicher Divan (Link)
    Ein der Allmacht Gottes Vertrauender könnte nicht wie Goethe sagen: "Gott konnte (die Frau) nicht  ganz grade machen". Die Literaturwissenschaftlerin Katharina Mommsen hat auf diese humoristische Transformation von Mohammeds Worten aufmerksam gemacht. Auch die augenzwinkernde  rhetorische Frage an den "guten Adam" stammt von Goethe und nicht aus der muslimischen Tradition.

    Johann Wolfgang Goethe gehörte zu der Minderheit der Klassiker, die Frauen nicht als Menschen zweiter Ordnung beschrieb und hat die biblische Unterwerfungsforderung an die Frau, "Er soll dein Herr sein", als "Formel einer barbarischen Zeit" abgetan.

     

     Goethe: "Die guten Frauen", 1800 

     

    • ".. ich behaupte, daß es durchaus jetzt schwerer sei ein vollendeter Mann zu werden, als ein vollendetes Weib; der Ausspruch:  'Er soll dein Herr sein", ist die Formel einer barbarischen  Zeit, die lange vorüber ist. Die Männer konnten sich nicht völlig ausbilden, ohne den Frauen gleiche Rechte zuzugestehen; indem die Frauen sich ausbildeten, stand die Wageschale inne, und indem sie bildungsfähiger sind, neigt sich in der Erfahrung die Wageschale zu ihren Gunsten."
      Johann Wolfgang Goethe: Die guten Weiber, 1800 (Link); (zitiert nach K. Mommsen)

     Artikel in Arbeit.
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    Quellen:
     Josef von Hammer-Prugstall (Hammer): "Auszüge aus der Sura (Sunna) oder der mündlichen Ueberlieferung Mohammeds", in: "Fundgruben des Orients". Bearbeitet durch eine Gesellschaft von Liebhabern. Druckerei Anton Schmid, K.K. Privil. Buchdrucker, Wien: 1809, S. 278f., Nr. 389 (Link)
    Katharina  Mommsen:  "Behandelt  die  Frauen  mit  Nachsicht!",  'Die Rolle der Frau in der deutschen Literatur und Sprache'. Neunte Folge, in: Jahrbuch für Internationale Germanistik, 122.  Jahrgang,  XXIII  Heft 1, S. 122-127 (Pdf)
    Johann Wolfgang Goethe: West-östlicher Divan. Eigenhändige Niederschriften. Herausgegeben und kommentiert von Katharina Mommsen. Insel Verlag, Leipzig: 1996, 2. Band, S. 60; 228
    Johann Wolfgang Goethe: Die guten Weiber


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    Dank:
    Ich danke Xof da Prof für die Frage, Sociopathblog für seinen Hinweis auf Katharina Mommsen und Katharina Mommsen für ihre Analysen.



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    1815 (Link)
    1820:
    Hammer Purgstall (Link)




    Abu Hurairah (May Allah be pleased with him) reported:
    Messenger of Allah (ﷺ) said: "Take my advice with regard to women: Act kindly towards women, for they were created from a rib, and the most crooked part of a rib is its uppermost. If you attempt to straighten it; you will break it, and if you leave it alone it will remain crooked; so act kindly toward women".

    [Al-Bukhari and Muslim].

    In another narration of Al-Bukhari and Muslim, Messenger of Allah (ﷺ) said: "A woman is like a rib, if you attempt to straighten it, you will break it; and if you benefit from her, you will do so while crookedness remains in her".

    In another narration of Muslim, Messenger of Allah (ﷺ) said: 'Woman has been created from a rib and will in no way be straightened for you; so if you want to benefit from her, you will benefit from her while crookedness remains in her. If you attempt to straighten her, you will break her, and breaking her is divorcing her".
    و عن أبي هريرة رضي الله عنه قال‏:‏ قال رسول الله صلى الله عليه وسلم ‏:‏ ‏"‏استوصوا بالنساء خيرًا، فإن المرأة خلقت من ضلع، وإن أعوج ما في الضلع أعلاه، فإن ذهبت تقيمه كسرته، وإن تركته، لم يزل أعوج، فاستوصوا بالنساء‏"‏ ‏(‏‏(‏متفق عليه‏)‏‏)‏‏.‏
    وفي رواية في ‏(‏‏(‏الصحيحين‏)‏‏)‏ ‏:‏ ‏"‏المرأة كالضلع إن أقمتها كسرتها، وإن استمتعت بها، استمتعت وفيها عوج‏"‏‏.‏
    وفي رواية لمسلم‏:‏ ‏"‏إن المرأة خلقت من ضلع ، لن تستقيم لك على طريقة، فإن استمعت بها وفيها عوج، وإن ذهبت تقيمها كسرتها ، وكسرها طلاقها‏"‏‏.
    Arabic/English book reference : Book 1, Hadith 273