Sonntag, 1. Oktober 2017

"Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen." Johann Wolfgang von Goethe (angeblich)

Pseudo-Goethe quote.


Dieses Bonmot wird seit 1992 (Link) Goethe immer ohne genaue Quellenangabe zugeschrieben und seitdem von psychologischen Ratgebern und Mangementratgebern gerne zitiert.

Da es erst 160 Jahre nach Goethes Tod ohne Quellenangabe in einer für Philologen nicht vertrauenswürdigen Publikation auftaucht und anscheinend weder in Goethes Schriften noch in literaturwissenschaftlichen Studien  so oder so ähnlich vorkommt, ist es ein Falschzitat. 
Erst im 21. Jahrhundert werden auch englische Versionen des Spruchs verbreitet.

Vielleicht ist dieses Pseudo-Goethe-Zitat aus einem Aphorismus Robert Lembkes entstanden:
  • "Mit etwas Geschick kann man sich aus den Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, eine Treppe bauen."
    Robert Lembke, 1974  (Link)
 Mehr Versionen und Zuschreibungen dieses Zitats findet man in Juttas Zitateblog (Link).
 
Nachweislich hat Goethe allerdings einmal dem Stolpern eine positive Seite abgewonnen:
  • "Durch Stolpern kommt man bisweilen weiter, man muß nur nicht fallen und liegen bleiben."
    Johann Wolfgang von
    Goethe zu Johann Christian Mahr, August 1831,  (Link)

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Quellen:
Goethes Gespräche: eine Sammlung zeitgenössischer Berichte aus seinem Umgang. 1825-1832, Gespräch mit Johann Christian Mahr, Artemis Verlag, 1965, S. 814 (Link)
Publik-Forum, Band 21, 1992, S 39 (Link)
Lexikon der Goethe-Zitate. Hrsg. von Richard Dobel, Artemis Verlag, Weltbild Verlag, Augsburg: 1991 
Juttas Zitateblog: "Goethe und die Steine, die einem in den Weg gelegt werden – oder sind sie doch von Kästner oder von wem?", 2012 (Link) (Lesenswert.)
 (Artikel in Arbeit.)