Donnerstag, 4. Mai 2017

"Bedenke stets, dass alles vergänglich ist, dann wirst du im Glück nicht so fröhlich und im Leid nicht so traurig sein." Sokrates (angeblich)

Pseudo-Sokrates-Zitat.

Dieser inzwischen sehr beliebte Trauerspruch wird dem Athener Philosophen Sokrates erst im 21. Jahrhundert zugeschrieben.

Der Spruch geht zurück auf den berühmten Psalm 90, Vers 12 der Bibel:
  • "Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden." (Link)
Im Mittelalter wurde der lateinische Ausdruck "Memento mori!" (deutsch: "Sei dir der Sterblichkeit bewusst!" oder: "Bedenke, dass Du vergänglich bist!") geprägt, der damals in vielen Bußpredigten verbreitet wurde.

 Das von einer unbekannten Person geprägte Pseudo-Sokrates-Zitat wird  - wie bei Kuckuckuszitaten üblich, immer ohne Quellennachweis -  dem Athener Philosophen in vielen philologisch unseriösen Zitatsammlungen und leider auch von der Duden-Redaktion unterschoben.

In Texten aus dem klassischen Athen hat diesen Spruch noch niemand so oder so ähnlich nachweisen können.

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Quellen:
wikipedia
Arbeitsgruppe von Ulrich Seelbach von der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft der Universität Bielefeld: "Trauersprüche"

Ohne Zuschreibung an Sokrates:
 2007: (Link) (Link)
Frühe Zuschreibungen an Sokrates:
2007: (Link)
-
2016: Dudenredaktion: DUDEN: "Passende Worte im Trauerfall: Trauertexte stilsicher formulieren", Bibliographisches Institut, Berlin, 2016, ebook (Link)

Artikel in Arbeit.